













Wendet man nun von der Rückseite des die Zukunft bestimmenden Geschehens den Blick erneut zu den vorderansichtigen Lichtenbergnotaten, so erhalten viele der dort kommentierten Maximen plötzlich eine höchst prekäre Grundierung. Neben das bedrohlich wirkende Notat »Über das Verbrechen und die Gesetze« tritt der nun unheimlich wirkende Kommentar Benjamins: Lichtenbergs »Vertrauen in die Vernunft ist ohne Grenzen gewesen: ,Wenn die Hunde, die Wespen und die Hornissen mit menschlicher Vernunft begabt werden, so könnten sie sich vielleicht der Welt bemächtigen.'« Verdüstert ist die exzerpierte Maxime Lichtenbergs: »Gerüstet sein, in jedem Augenblick auf das Erstaunlichste zu treffen«.
Zwölf Tage später, am 17. März 1933, verlässt Walter Benjamin Berlin und Deutschland.
Quelle: http://www.wbenjamin.org/giessen_convolute.html
[Der Essay ist zuerst in der Frankfurt Allgemeine Zeitung, Nr. 8, Mittwoch, 10. Jan. 2001, S. N6 (Beilage Geisteswissenschaften) publiziert worden.]
© 2008-2012 walter benjamin berlin Kontakt